MDR Klassik braucht Sichtbarkeit für hochwertiges Programm
Keine Planungen an der Zielgruppe vorbei
Berlin – unisono schließt sich den Protesten aus ganz Mitteldeutschland gegen die Pläne des MDR an, im Rahmen der angekündigten Einsparungen MDR Klassik nicht mehr terrestrisch auszustrahlen und Inhalte nur noch digital anzubieten. „Eine Verschiebung ins Digitale ist kein Ersatz für das Radioformat. Sie würde an der Zielgruppe vorbeigehen“, sagt unisono-Geschäftsführer Robin von Olshausen. „Der Sender bietet einem treuen Publikum klassische Musik in der gesamten Breite und berichtet vorbildlich über Kultur- und Musik-politik. MDR Klassik wird von den Hörerinnen und Hörern geliebt und gebraucht.“
Das Programm ist weit über die Grenzen des Sendegebiets bekannt für seine gut kuratierte Musikauswahl und journalistisch hochwertigen Formate sowie Berichte über Premieren, Ensembles, Spielpläne und Premierenkritiken. Dutzende Kulturinstitutionen in Mittel-deutschland, darunter zahlreiche Theaterintendanten und -geschäftsführer, hatten sich in einem offenen Brief an den Intendanten und Rundfunkrat des MDR gegen den Plan ausgesprochen.
Der sich formierende Widerstand in Mitteldeutschland zeigt, dass das Vorhaben keine ausreichende gesellschaftliche Akzeptanz findet. Olshausen: „Die mitteldeutsche Musik-landschaft braucht MDR Klassik als wichtigen Player in den Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Er macht die Klassikszene medial weithin sichtbar und ist eine wichtige Plattform für musikpolitische Debatten.“
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Gesundheitsrisiken im Staatstheater Kassel – offener Brief an die Politik
unisono schlägt Runden Tisch vor, um Konfliktparteien ins Gespräch zu bringen
Kassel – Damit Bewegung in den festgefahrenen Konflikt zwischen der Theaterleitung und den Mitgliedern des traditionsreichen Staatsorchesters Kassel kommt, hat unisono in einem offenen Brief Kunstminister Timon Gremmels (SPD) und Kassels Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller (Grüne) um Unterstützung gebeten und einen Runden Tisch mit allen Beteiligten angeregt. „Wenn die Gesundheit der Orchestermitglieder während des Musizierens auf der Bühne gefährdet ist, müssen schnell Maßnahmen zur Abhilfe ergriffen werden. Bislang ist das leider nicht zufriedenstellend geschehen“, sagt unisono-Geschäftsführerin Julia Hofmann. Die Videoprojektionen in der Interimsspielstätte flimmern direkt im Blickfeld der Musikerinnen und Musiker. Da sie sich gleichzeitig auf Noten und Dirigat konzentrieren müssen, leiden viele während der Aufführungen unter Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Kopfschmerzen.
Die Schwierigkeiten zwischen Theaterleitung und Orchester reichen in die Vergangenheit zurück. Vor zwei Jahren gab es im Zuge der Suche nach einem neuen Generalmusikdirektor ähnliche Auseinandersetzungen um den Führungsstil und die Einbeziehung des Orchesters in Entscheidungen, die sie direkt betreffen. Da die Leitung auch im aktuellen Konflikt seit Wochen auf Alleingänge setzt statt gemeinsam mit dem Orchester nach nachhaltigen Lösungen zu suchen, informierte unisono bereits am 3. Dezember das Regierungspräsidium wegen Nichteinhaltung des Arbeitsschutzes durch den Arbeitgeber. Als Reaktion auf den Offenen Brief, den wir gestern versandt hatten, meldete sich noch am Abend ein Mitarbeiter des Regierungspräsidiums bei einem Orchestervertreter. „Das bestätigt uns, den Weg in die Öffentlichkeit zu suchen, um die Standpunkte aller Seiten transparent zu machen“, sagt Hofmann.
Die Theaterleitung kommuniziert zudem intern widersprüchlich und entschied schließlich abrupt, dass die Aufführungen von Aida am 12. und 17. Dezember nur konzertant stattfinden sollen. „Um die Gesundheit der Orchestermitglieder zu schützen, wären Maßnahmen bzgl. der Projektoren völlig ausreichend gewesen“, sagt Hofmann. „unisono bittet den Minister um Unterstützung, da die Videoprojektionen nicht nur bei den aktuellen Opern eingesetzt werden sollen. Sie werden auch in Zukunft bei zahlreichen Projekten eine Rolle spielen. Daher ist eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten dringend erforderlich.“
unisono warnt vor politischem Pokerspiel auf dem Rücken der Orchester
München – unisono Deutsche Musik- und Orchestervereinigung fordert einen sofortigen, konstruktiven Dialog zwischen der Landeshauptstadt München und dem Freistaat Bayern. Die angekündigten Überlegungen des Landes, Zuschüsse für kulturelle Einrichtungen in München zu streichen, nachdem die Stadt Kürzungen angekündigt hatte, gefährden Existenzen und das kulturelle Gefüge von München. „Auch Orchester dürfen nicht zum Spielball finanzpolitischer Auseinandersetzungen werden“, sagt unisono-Geschäftsführerin Julia Hofmann. In einem offenen Brief fordern die Münchner Symphoniker, die von Kürzungen besonders hart betroffen wären, von den politischen Entscheider:innen eine Lösung, die die Zukunft des traditionsreichen Orchesters sichert. „Kultur ist kein Verhandlungsposten. Sie ist ein öffentliches Gut und gleichzeitig Wirtschaftsmotor.“
unisono appelliert an die Verantwortlichen, Gespräche auf Augenhöhe zu führen, die Kulturschaffenden als Betroffene dabei einzubinden und Entscheidungen nicht als Druckmittel zu nutzen. Kulturpolitische Förderung muss langfristig, planbar und unabhängig von taktischen Auseinandersetzungen gesichert werden. „Wir fordern Transparenz, Verlässlichkeit und eine gemeinsame Lösung, die künstlerische Arbeit sichert“, sagt Hofmann. „Kurzfristige Sparvorschläge dürfen nicht die künstlerische Zukunft ganzer Institutionen aufs Spiel setzen. Am 17. Dezember hat der Stadtrat die Möglichkeit, das dringend notwendige Zeichen für eine nachhaltige Förderstruktur zu setzen.“
Fernambuk: mehr Schutz für Holz und Klarheit für Musiker:innen
CITES-Entscheidung in Samarkand schafft Interessenausgleich
Berlin – Fertige Musikinstrumente und Bögen, in denen Fernambuk-Holz verarbeitet ist, bleiben für nicht kommerzielle Zwecke genehmigungsfrei, solange kein Verkauf oder Eigentumswechsel erfolgt. Damit sind die am 5. Dezember auf der CITES-Vertragsstaatenkonferenz in Samarkand geänderten Regeln zum Schutz der bedrohten Holzart Fernambuk für Musiker:innen insgesamt positiv. Es ändert sich nichts bei Konzertreisen, Proben, Wettbewerben, Leihen, Unterricht oder Reparaturen. „Für professionelle Musiker:innen ist Rechtssicherheit entscheidend“, sagt unisono-Geschäftsführerin Julia Hofmann. „Die neuen Regeln schützen die Art besser, ohne die Mobilität der Kulturschaffenden zu beeinträchtigen. Gleichzeitig setzen sie ein starkes Signal für mehr Transparenz im internationalen Handel und für die dringend notwendige Forschung zu nachhaltigen Alternativen.“
Beim Verkauf aller neuen und bereits bestehenden Fernambukbögen werden spezielle CITES-Genehmigungen notwendig. Für diese müssen Verkäufer: innen nachweisen, dass das verwendete Holz vor 2007 geerntet wurde; jenem Jahr, in dem Fernambuk unter Schutz gestellt wurde. Innerhalb der EU ist der Nachweis des legalen Erwerbs ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der entsprechend geänderten Verordnung erforderlich. Völkerrechtlich treten die Änderungen 90 Tage nach dem Beschluss in Kraft.
Wild geerntetes Fernambukholz ohne Nachweis darf nicht mehr kommerziell gehandelt werden. Die Vertragsstaaten verständigten sich außerdem auf eine Reihe von Maßnahmen, die den Schutz und die nachhaltige Nutzung langfristig verbessern sollen. Dazu gehören u.a. die Forschung zu alternativen Materialien für den Bogenbau, der Aufbau und die Weiterentwicklung von Rückverfolgbarkeitssystemen und die Unterstützung von Projekten zur Bekämpfung illegaler Ernte sowie zum Schutz der natürlichen Lebensräume der Art.
Ein Beispiel hierfür ist das Araponga-Projekt der Klimaschutzinitiative Orchester des Wandels (OdW), deren Schirmherrin unisono ist.Die Initiative verbindet künstlerisches Engagement mit konkretem Klima- und Artenschutz, etwa durch das Araponga-Wiederaufforstungsprojekt in Brasilien, durch Bildungsprogramme und durch die Zusammenarbeit mit lokalen Akteur:innen. Die OdW-Aktiven zeigen eindrücklich, wie Orchester durch ihr kulturelles Gewicht und ihr gesellschaftliches Engagement unmittelbar zu Biodiversitätsschutz und nachhaltiger Ressourcennutzung beitragen können. „Es ist erleichternd, dass eine Lösung gefunden wurde, die sowohl den Artenschutz als auch die Interessen der Musiker berücksichtigt“, sagt der OdW-Vorsitzende Detlef Grooß. Ich hoffe, dass jetzt alle zusammenarbeiten, um in großem Stil Waldflächen wiederaufzuforsten, damit die Art in ihrer ursprünglichen Biodiversität wieder gedeihen kann. Ich glaube fest daran, dass die weltweite Gemeinschaft der Musiker ihren Beitrag dazu zu leisten wird.“
Berlin – unisono begrüßt die geplante Generalsanierung, den Teilneubau des städtischen Theaters und den Bau des neuen Probebühnenzentrums in Trier. Die Vorhaben sind ein bedeutender Schritt für die kulturelle Vielfalt und Zukunft der Stadtgesellschaft. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für Künstler:innen, schaffen bessere Arbeitsbedingungen und stärken die Attraktivität des Kulturstandorts Trier.
„Solche ehrgeizigen und komplexen Projekte können nur erfolgreich sein, wenn Regeln eingehalten werden sowie Transparenz und Mitsprache gewährleistet sind“, sagt unisono-Geschäftsführerin Julia Hofmann. Es zeigt sich immer wieder, dass bei großen Kulturbauprojekten alle relevanten lokalen Gremien, die Kulturschaffenden und die Stadtgesellschaft eingebunden sein müssen, damit sie erfolgreich werden. „unisono setzt deshalb auf einen offenen und konstruktiven Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Kulturszene“, sagt Hofmann.
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Haus der Musik in Brauschweig
starkes Signal für das Staatsorchester – Chance für Braunschweig
Braunschweig – unisono Deutsche Musik- und Orchestervereinigung appelliert an die Mitglieder des Rates der Stadt Braunschweig, die Realisierung des geplanten Haus der Musik zu unterstützen.
In einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Verband deutscher Musikschulen (VdM) betonen beide Verbände die Chance auf einen zukunftsweisenden Kultur-, Bildungs- und Begegnungsort. Indem Musikschule, Konzertbetrieb und öffentlicher Kulturraum zu-sammengeführt werden, entsteht ein Ort, der weit mehr ist als ein Neubau.
Die Konzerttätigkeit des Staatsorchesters Braunschweig ist ein zentraler kulturprägender Faktor für die gesamte Region – künstlerisch, pädagogisch und gesellschaftlich. „Ein zeitgemäßer Konzertsaal ist dabei keine Frage des Luxus, sondern eine zwingende Voraus-setzung für professionelle Arbeitsbedingungen, akustische Qualität und eine moderne, publikumsorientierte Programmarbeit“, erklärt Julia Hofmann, Geschäftsführerin von unisono. Schon heute kann das Orchester viele Formate – von Education-Projekten über genreübergreifende Programme bis hin zu Kooperationen mit der Musikschule – nur eingeschränkt realisieren, weil passende Räumlichkeiten fehlen.
„Das Haus der Musik wäre ein kulturelles Leuchtturmprojekt mit bundesweiter Strahlkraft“, so Hofmann. Ohne diese strukturelle Weiterentwicklung droht die Konzertlandschaft Braunschweigs langfristig an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Das Haus der Musik würde eine Infrastruktur schaffen, in der Probenbetrieb, Konzertwesen und Vermittlungsangebote sinnvoll verzahnt sind.
Die gemeinsame Stellungnahme von unisono und VdM können Sie hier downloaden.
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Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern: Künstlerische Exzellenz darf nicht geopfert werden!
Saarbrücken – unisono kritisiert die Pläne des SWR, sich aus der Finanzierung der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern zurückzuziehen. „Die Deutsche Radio Philharmonie ist als musikalischer Leuchtturm im Saarland und in Rheinland-Pfalz ein kultureller und sozialer Impulsgeber mit nationaler und internationaler Strahlkraft. Ihre mögliche Verkleinerung wäre ein nicht zu ersetzender Verlust für die Musiklandschaft“, sagt Robin von Olshausen, Geschäftsführer von unisono.
Neben ihrer regen sinfonischen Konzerttätigkeit im ganzen Sendegebiet und weit darüber hinaus, engagiert sich die DRP in Bildungs- und Sozialprojekten wie ‚Geigen gegen Pisa‘ oder der ‚2-ten Chance Saar‘. Sie unterstützt Nachwuchsmusiker:innen, spielt in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Schulen. Sie ist Partnerin von ARTE, ZDF und internationalen Institutionen und offizielle Kulturbotschafterin für die Deutsch-Japanischen und Deutsch-Koreanischen Beziehungen.
Eine ins Spiel gebrachte Reduzierung auf ein Kammerorchester würde unweigerlich eine schmerzlich spürbare Verringerung der vielfältigen Aktivitäten der DRP nach sich ziehen. Da jetzt schon Stellen nach erfolgtem Probejahr nicht mehr unbefristet vergeben werden kommt die DRP als Arbeitgeber für junge Spitzenmusiker:innen nicht mehr in Frage. „Das ist ein inakzeptabler und in der Deutschen Orchesterlandschaft einmaliger Zustand“, betont von Olshausen.
unisono fordert von SWR und SR Transparenz über die geplanten Einsparziele und Alternativen. Der Erhalt der künstlerischen Qualität muss gewährleistet bleiben, und Entscheidungen müssen gemeinsam mit Orchester und Gewerkschaft getroffen werden. Die DRP ist ein Aushängeschild für Kultur, Bildung und sozialen Zusammenhalt und steht damit beispielhaft für den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag. „Der Erhalt der DRP muss Priorität haben. Wir fragen uns außerdem, welchen Sinn die von der ARD eingesetzte AG Klangkörper hat, wenn Entscheidungen über einzelne Rundfunkensembles getroffen werden, bevor deren Ergebnisse vorliegen“, so von Olshausen.
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Gesundheitsrisiken für Musiker:innen in Kassel
unisono fordert schnelle und einvernehmliche Lösung
Berlin – Der Spielbetrieb in der Ersatzspielstätte des Staatstheaters Kassel birgt gesund-heitliche Risiken für die Mitglieder des Orchesters. „unisono fordert die Theaterleitung auf, als Arbeitgeberin ihrer Fürsorgepflicht uneingeschränkt nachzukommen und mit den Musiker:innen im gemeinsamen Dialog auf Augenhöhe nach Lösungen zur Behebung der gesundheitlichen Gefahren zu suchen“, sagt unisono-Geschäftsführerin Julia Hofmann.
Seit Ende Oktober spielen die Musiker:innen des Staatsorchesters Kassel in einer großen Halle. Sie dient als Interimsspielstätte, weil das Opernhaus der Stadt saniert wird. Bei Aufführungen flimmern Videoprojektionen über die Wände; auch direkt vor den Musiker:-innen. Da sie sich gleichzeitig auf Noten und Dirigat konzentrieren müssen, leiden während der Aufführung viele unter Übelkeit und Kopfschmerzen. „Wir prüfen, wie der Gesundheits-schutz der Musiker:innen mit der Einhaltung arbeitsvertraglicher Pflichten in Einklang gebracht werden kann und zeigen zulässige Handlungsspielräume auf“, sagt Hofmann. „Momentan können sich die Musiker:innen einer weiteren Gesundheitsgefahr erst entziehen, wenn sie geschädigt sind. Das bedeutet, sie könnten eine Aufführung dann verlassen, wenn Kopfschmerzen oder Übelkeit eingetreten und sie damit arbeitsunfähig sind. Das ist für beide Seiten unbefriedigend und geht an den Interessen der Arbeitnehmer:innen völlig vorbei.“
Ein reibungsloser und qualitativ hochwertiger Spielbetrieb ist nur mit gesunden Musiker:-innen möglich. „Es kann nicht sein, dass der Personalrat ein von der Arbeitgeberin in Auftrag gegebenes Gutachten nur auf Druck und unter Verschwiegenheitspflicht erhält“, sagt Hofmann. „Da ab dem Wochenende zahlreiche Aufführung anstehen, ist eine schnelle und einvernehmliche Lösung zwingend notwendig.“
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Aktivrente: faire Regelung für alle Erwerbsformen!
Selbstständige Musiker:innen und Musikunternehmer:innen nicht ausschließen
Berlin – Die Musikverbände PRO MUSIK, Deutsche Jazzunion, FREO, unisono und Verband unabhängiger Musikunternehmer:innen (VUT) haben die Einführung der sogenannten Aktivrente zum 1. Januar 2026 zur Kenntnis genommen. Der steuerfreie Hinzuverdienst von bis zu 2.000 Euro monatlich für Personen, die über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten, kann freiwillige Weiterarbeit im Alter ermöglichen und anerkennen.
Allerdings sehen wir mit großer Sorge, dass diese Steuervergünstigung ausschließlich für Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit im steuerrechtlichen Sinne gelten soll. Selbstständig arbeitende Musiker:innen und Musikunternehmer:innen wären damit explizit ausgeschlossen – auch dann, wenn sie über die Künstlersozialkasse sozialversicherungspflichtig sind.
Ungleichbehandlung verletzt Gleichheitsgrundsatz
Die Begründung im Gesetzentwurf, selbstständig Erwerbstätige bräuchten keine Anreize zur Weiterarbeit, ist aus unserer Sicht zynisch und fachlich unhaltbar. Viele unserer Mitglieder sind im Rentenalter weiterhin künstlerisch aktiv – aus finanzieller Notwendigkeit, gesellschaftlichem Engagement oder persönlicher Berufung. Sie leisten wertvolle kulturelle Arbeit und zahlen als Mitglieder der Künstlersozialkasse seit Jahrzehnten Beiträge in die gesetzliche Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Sie dürfen steuerlich auf keinen Fall gegenüber Angestellten benachteiligt werden.
Die geplante Schlechterstellung widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes (Art. 3 GG) und ist Ausdruck einer verfehlten Bevorzugung von Erwerbsarbeit, wenn sie in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsform stattfindet.
Selbstständige leisten Innovation und hohe Flexibilität
Die Annahme, selbstständige Musiker:innen würden kein „aktives Einkommen“ erzielen, verkennt die Realität ihrer Arbeit. Ob im Unterricht, im Proberaum oder auf der Bühne – selbstständige Musikschaffende erwirtschaften ihr Einkommen durch persönliche Leistung. Der Ausschluss von den Steuererleichterungen der Aktivrente wiegt gerade in ihrem Fall ungleich schwerer, da ihre Selbstständigkeit oft durch prekäres Einkommen und unsichere Perspektiven geprägt ist.
Wir fordern eine Korrektur des Gesetzesvorhabens:
Die Aktivrente muss auch für selbstständige Erwerbstätige gelten.
Die steuerliche Gleichbehandlung aller aktiv Erwerbstätigen im Rentenalter ist zwingend erforderlich.
Erwerbsarbeit darf nicht nach Beschäftigungsform diskriminiert werden.
Wir appellieren an Bundestag und Bundesrat, den Gesetzentwurf nachzubessern und eine faire Regelung für alle Erwerbsformen zu schaffen.
Unterzeichnende Verbände:
unisono Deutsche Musik- und Orchestervereinigung e.V. PRO MUSIK – Verband freier Musikschaffender e.V. Deutsche Jazzunion e.V. VUT – Verband unabhängiger Musikunternehmer:innen FREO – Freie Ensembles und Orchester in Deutschland e.V.
Berlin – Nach der besser als erwartet ausgefallenen Steuerschätzung hat die NRW-Landesregierung einen Teil des zusätzlichen finanziellen Spielraums zur Anhebung des Kulturetats im kommenden Jahr genutzt. Statt der ursprünglich geplanten dritten Kürzung in Folge steigen die Ausgaben von 310 auf 318 Millionen Euro. „Für die Kulturschaffenden in NRW ist es ein ganz wichtiges Signal, dass die geplante Kürzung von 8,5 Millionen Euro vom Tisch ist“, sagt unisono-Geschäftsführer Robin von Olshausen. „Die Landesregierung setzt damit ein deutliches Zeichen, dass Kultur gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spannungen gestärkt werden muss, weil sie den Zusammenhalt fördert.“
Die Erhöhung zeigt auch, dass der landesweite Zusammenschluss der Kulturschaffenden und ihr gemeinsamer Protest wirkungsvoll war, etwa bei der Kundgebung am 8. Oktober vor dem Düsseldorfer Landtag. „Der erfolgreiche Schulterschluss über aller Kulturbereiche hinweg sendet ein starkes Signal über NRW hinaus“, sagt Olshausen. „Er zeigt, dass solidarisches Handeln Kulturschaffenden bundesweit Mut macht, ihre Interessen zu bündeln und drohende Kürzungen abzuwenden.“
Die zugesagten Mittel in NRW verschaffen insgesamt keinen zusätzlichen Gestaltungsspielraum angesichts der allgemeinen Kostensteigerungen, der inflationsbedingt steigenden Löhne und Gehälter der Tarifbeschäftigten im Kulturbereich sowie der ab 2026 zugesagten Mindesthonorar-Zahlungen für landesgeförderte freie Projekte. Olshausen: „In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Spannungen muss Kulturpolitik Haltung zeigen statt auf Sparlogik zu setzen. Die Landesregierung ist gut beraten, diesen Kurs der Korrektur fortzusetzen und ihr Versprechen einzulösen, den Kulturetat bis zum Ende der Legislaturperiode um 50 Prozent zu erhöhen.“